Projekt: Wort.Musik.Theater


Videostill aus "Vampirismus der Kindheit" von Sophie Reyer, 2021

„Ich arbeite als Schriftstellerin sprachkompositorisch.[...]
So gesehen bin ich eine Komponistin.“

Elfriede Jelinek im Interview: Ich bin eine Komponistin


Der Forschungsschwerpunkt
„Wort.Musik.Theater" widmet sich den Beziehungen zwischen Musik, literarischem Text und seiner theatralen bzw. musikalischen Inszenierung – einem Spannungsfeld, das in Elfriede Jelineks Werk und dessen Rezeption Gegenstand eines stetigen Aushandlungs-
prozesses ist. Jelinek thematisiert ihr Verhältnis zur Musik nicht nur in zahlreichen essayistischen Texten, ihre enge Beziehung zur Musik manifestiert sich auch in Form einer musikalisierten Schreibweise, in Rhythmisierungen und in literarischen „Sprachpartituren“. Darüber hinaus komponierte
sie auch selbst und verfasste mehrere Texte für
Kompositionen 
und Musiktheaterwerke.

Ein erster Arbeitsschwerpunkt nimmt die engen Verbindungen zwischen Musik und Literatur im Werk von Elfriede Jelinek zum Ausgangspunkt und untersucht historische und gegenwärtige Formen der Verschränkungen von Literatur auf Musik sowie musikalische Formen des literarischen Schreibens.

Gefragt wird nach den Wechselbeziehungen zwischen den beiden Künsten und nach den verschiedenen ästhetischen Formen, die daraus resultieren. Dabei rücken insbesondere die literarische Arbeit mit und an der Lautlichkeit von Sprache, der Klang-
lichkeit von Texten sowie Rhythmisierungsformen in den Fokus, die in Jelineks Werk ebenso zentral sind wie die Übernahme musikalischer Kompositionstechniken in den literarischen Produktionsprozess.

 

Der zweite Arbeitsschwerpunkt des Projekts fokussiert das Spannungsverhältnis zwischen dem Text und seiner sprachlichen Inszenierung und widmet sich den Bezügen und Reibungen zwischen Schriftlichkeit und Mündlichkeit, zwischen Sprechen und körperlichen Aufführungspraktiken sowie den fließenden Übergängen zwischen Sprechen und Singen.

Ausgehend von der in Jelineks Texten angelegten Akustik bzw. Oralität wird nach dem bedeutungsmodifizierenden Charakter von Praktiken des Text-Sprechens gefragt, nach der Theatralität der Stimme und der Performativität des Schweigens – sowie nach verschiedenen Traditionen und Praktiken des interpretierenden Sprechens, der Stimmführung und des Gesangs.

 

Die dritte Arbeitsschwerpunkt des Projekts fokussiert, ausgehend vom szenischen Umgang mit Jelineks Texten und „musi-
kalischen“ Inszenierungen ihrer Werke, die Rolle der Musik im Theater und nimmt dabei auch Gattungsfragen in den Blick: Auf welche Art und Weise wirken Text, Musik, Szene und Körper in diesen Aufführungen zusammen? Lässt sich angesichts einer gattungsübergreifenden Autorin wie Elfriede Jelinek eine Unterscheidung zwischen Sprech-, Tanz- und Musiktheater noch aufrechterhalten?

Darüber hinaus widmet sich die Arbeitsgruppe Gegenwartstendenzen im (Musik-)Theater, fragt nach aktuellen Musikali-
sierungsformen bei Regisseur*innen wie u.a. Christoph Schlingensief, Jossi Wieler oder Ulrich Rasche und erörtert bzw. experimentiert mit möglichen Zukunftsformaten eines musikalisierten Theaters.

 

Methodisch macht der Forschungsschwerpunkt die bei Jelinek angelegte intermediale und Künste-übergreifende Vernetzung zwischen Text, Musik und Theater zum Programm und initiiert wissenschaftlich-künstlerische Arbeitsgruppen und interdis-
ziplinäre und internationale Symposien und Workshops
mit dem Ziel, innovative Forschungspositionen und experimentelle Forschungsformate und -ansätze an den Schnittstellen von Wissenschaft und Kunst zu entwickeln.

 

Das Projekt Wort.Musik.Theater startet mit Arbeitsgruppen, die zu spezifischen Fragestellungen arbeiten und dabei wechsel-
seitig die jeweiligen Teilergebnisse reflektierend
miteinbeziehen. Die Arbeitsgruppen setzen sich aus Mitgliedern der Universität Wien, der Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien, International Scientific Partners des Interuniversitären Forschungs-
verbunds sowie weiteren Expert*innen und Kooperationspartner*innen zusammen.

Die Ergebnisse der Projektarbeiten werden laufend im Open Access auf der Homepage des Interuniversitären Forschungsver-
bunds Elfriede Jelinek sowie auf dessen Portal zu Wissenschaft und Kunst öffentlich gemacht.


DIE DREI ARBEITSGRUPPEN


1. MUSIK/SCHREIBEN

 
DIE MITGLIEDER DER ARBEITSGRUPPE

  • Dr. Bernhard Doppler (Institut für Germanistik und Vergleichende Literaturwissenschaft, Universität Paderborn, Deutschland)
  • Univ.-Prof. Dr. Karoline Exner (Studiengang Schauspiel, Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien, Österreich)
  • Univ.-Prof. i.R. Dr. Albert Gier (Bamberg, Deutschland)
  • PD Dr. Björn Hayer (Institut für Germanistik, Universität Koblenz-Landau, Deutschland))
  • Univ. Ass. Tobias Herzberg (Institut für Sprachkunst, Universität für angewandte Kunst, Wien)
  • Ph.D. Peter Höyng (Department of German Studies, Emory University Atlanta, USA)
  • Stefan Jäger (Ludwigsburg, Deutschland)
  • Univ.-Prof. Mag. Yuly Khomenko (Studiengang Gesang und Oper, Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien)
  • Ao. Univ.-Prof. i.R. Dr. Monika Meister (Institut für Theater-, Film und Medienwissenschaft, Universität Wien, Österreich)
  • Univ.-Prof. MMag. Julia Purgina (Studiengang Saiteninstrumente, Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien, Österreich)
  • Dr. Sophie Reyer (Wien, Österreich)
  • Univ.-Prof. Mag. Monika Rinck (Institut für Sprachkunst, Universität für angewandte Kunst Wien, Österreich)
  • Dr. Mag. Irene Suchy (Wien, Österreich)
  • Univ.-Prof. Dr. Melanie Unseld (Institut für Musikwissenschaft und Interpretationsforschung, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, Österreich)
  • Dr. Monika Voithofer (Institut für Musikwissenschaft, Universität Wien, Österreich

Veröffentlichungen der Arbeitsgruppe

20.4.2022
Online-Diskussion

"Ich bin eine Komponistin"
Zum Verhältnis von Sprache, Literatur und Musik bei Elfriede Jelinek

Mit Björn Hayer und Melanie Unseld

28.4.2022
Online-Diskussion
"Textflächen" oder "Klangräume"?
Musikalische Strukturen in literarischen Texten

mit Peter Höyng, Monika Meister, Sophie Reyer und Monika Voithofer

15.5.2022
Video

lichtwerdung
von Sophie Reyer

19.5.2022
Online-Diskussion
Wie klingen Texte?
Jelineks musikalische Arbeit an der Sprache
mit Bernhard Doppler, Albert Gier, Steffen Jäger und Yuly Khomenko

8.6.2022
Audio-Kommentar
"Schöpfung" - ein Film von Olga Neuwirth und ein Film-Kommentar von Sophie Reyer
von Irene Suchy

9. und 11.6.2022
Wissenschaftlich-künstlerisches Symposium

WORT.MUSIK
Zur Musikalisierung von Literatur

gemeinsam mit dem Elfriede Jelinek Forschungszentrum, in Kooperation mit dem Theatermuseum


2. TEXT - SPRECHEN - SINGEN


 

3. MUSIK.THEATER


 

KOOPERATIONSPARTNER*INNEN DES PROJEKTS

Neben seinem zentralen Kooperationspartner, dem Elfriede Jelinek-Forschungszentrum wird das Projekt in Kooperation mit folgenden Institutionen durchgeführt:

  • Institut für Sprachkunst, Universität für angewandte Kunst Wien
  • Institut für Musikwissenschaft und Interpretationsforschung, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien
  • Institut für Musikwissenschaft, Universität Graz
  • Universität Mozarteum Salzburg
  • Institut für Germanistik und Vergleichende Literaturwissenschaft, Universität Paderborn, Deutschland
  • Theatermuseum